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Sinne

Wir Menschen verfügen über fünf Sinne - Sehen, Hören, Schmecken, Riechen, Tasten. Die Frage ist: Wie wirkt die Form des Baukörpers auf den Menschen und sein Inneres? In unserer heutigen Gesellschaft werden die Sinne Sehen und Hören bevorzugt. Schmecken und Riechen dagegen sind im Leben der meisten Menschen von geringerer Bedeutung, auch das Tasten spielt kaum eine Rolle.

Kükelhaus beschreibt, wie das Leben auf Reize reagiert: 
„Das Leben lebt vom Reiz. Der Reiz seinerseits ist wiederum etwas sehr Verletzliches - das heißt, er darf weder zu stark noch zu schwach sein. Schwache Reize führen zur Entstehung von Organen, mittelstarke kräftigen sie; starke Reize hemmen und überstarke Reize zerstören.“

Nehmen wir uns seine Aussage noch einmal vor: „Leben lebt vom Reiz …“. Wenn unsere Architektur/Innengestaltung Leben im Innenraum ermöglichen soll, dann ist es an uns, den Planern, die Möglichkeit von Reizen für die Sinnesorgane zu schaffen. „Der Reiz seinerseits ist wiederum etwas sehr Verletzliches …“. In mir entsteht das Bild von einem Küken in der Hand - „… das heißt, er darf weder zu stark noch zu schwach sein ...“. Um die Stärke des Reizes abstimmen zu können, benötigen wir als Planer das Vermögen zur Einfühlung in die Architektur und ihre Wirkung auf die Sinne - nennen wir es den sechsten Sinn, die Intuition.„Schwache Reize führen zur Entstehung von Organen …“ - wie kann Kükelhaus das gemeint haben? In seinem Buch „Dich sah ich wachsen“ berichtet Erwin Thoma von einem blinden Kunden, der in seiner Gegenwart, lediglich durch das haptische Begreifen der Holzoberfläche, seine Faszination für das Holz entdeckt.

Im Laufe der Zeit machte sich der Blinde einen Spaß daraus, in sich ein Organ entstehen zu lassen, welches diese schwachen Reize aus der Holzoberfläche aufnehmen und verwerten konnte.

Es ist spannend zu untersuchen, welche Organe wir selber ausgebildet haben, obwohl es uns zumeist gar nicht bewusst ist. Harald Jordan, Autor des Buches „Räume der Kraft“, beschrieb in einer Schulung das Phänomen, dass man seinen Namen - etwa auf einem Fest - auch dann hört, wenn er in der Unterhaltung weit entfernt stehender Gäste fällt, das heißt in diesem Fall, dass ein kaum wahrnehmbarer Reiz bereits eine eindeutige Wahrnehmung nach sich zieht.

„… mittelstarke kräftigen sie …“ - wenn erst einmal ein Organ gebildet wurde, so wird ein schwacher Reiz ggf. zu einem mittelstarken Reiz. Unserem blinden Probanden war es zum Beispiel nach einiger Zeit möglich, alle Holzarten durch Begreifen zu erkennen (inwieweit sein Geruchssinn beteiligt war, lassen wir bei dieser Betrachtung einmal außer Acht). Der Übergang vom schwachen zum mittelstarken Reiz ist also fließend und von Person zu Person unterschiedlich. In der Gestaltung von Räumen sind diese Übergänge allerdings für uns wichtig und eine Definition wäre hilfreich. Versuchen wir also mittelstarke Reize im Kontext mit den weiter beschriebenen Reizen zu sehen: „… starke Reize hemmen …“.

In diesem Zusammenhang erinnere ich mich an einen meiner Studienaufenthalte in Indien. Ich reiste damals quer durch das Land, wobei mir besonders die vielen Fahrten mit dem Bus im Gedächtnis geblieben sind. Dies war nicht so sehr dem Umstand geschuldet, dass ich immer große Ängste ausgestanden habe, ob wir auch heil an unserem Zielort ankommen würden, vielmehr war es der Geruch und die stickige Luft auf solchen Busreisen.
Alle standen eng an eng und hängten sich im Gang stehend an die Haltegriffe, um bei starken Bremsmanövern des Fahrers nicht wie ein Geschoss durch das Businnere katapultiert zu werden. Der Geruch von altem Achselschweiß, Gewürzen, Hühnern und Ziegenböcken, gepaart mit der Enge, führte bei mir zu einer Hemmung des Riechens - „… und überstarke Reize zerstören …“ -, vielleicht sogar zu einer Störung meiner Riechwahrnehmung. Noch fünfzehn Jahre nach diesen überstarken Reizen kann ich menschlichen Körpergeruch kaum wahrnehmen.
Zum Thema der überstarken Reize kennt sicher jeder Beispiele aus seinem Alltag.Es drängt sich die Frage auf: Lassen sich "zerstörte" Sinne wieder herstellen?

Zu diesem Thema möchte ich Ihren Blick auf die Pferdeausbildung lenken.

Pferde werden in ihrer Ausbildung zumeist mit vielen Reizen überflutet.

Viele Reize wirken, je nach Ausbilder, gleichzeitig ein. Der Frust des Reiters wird oft an die Pferde weitergegeben. So manche Reize sind überstark und haben zerstörende Wirkung.

Wer sich für Pferde interessiert, kennt den leblosen Ausdruck in den Augen vieler dieser bemerkenswerten Wesen. Der Blick ist „gebrochen“, heißt es in der Reitersprache.

Nun gibt es Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, diese Zerstörung wieder rückgängig zu machen.

Bei blockierten Pferden wird so vorgegangen, dass mit einem schwachen Reiz begonnen wird, dann folgt ein leichter Reiz, dann ein entschiedener, mittelstarker. Wenn das Pferd noch immer keine Reaktion auf den Reiz zeigt, beginnt man wieder mit einem schwachen Reiz, und so weiter. Mit viel Geduld werden auf diese Art Zerstörungen wieder rückgängig gemacht, Blockaden mit geduldiger Arbeit gelöst.

Kükelhaus: „Die Entwicklung des Menschen wird von derjenigen Umwelt optimal gefördert, die eine Mannigfaltigkeit wohldosierter Reize gewährleistet. Ungeachtet der Frage, ob diese Reizwelt von physischen oder sozialen Verhältnissen und Faktoren aufgebaut ist - die Vielgestaltigkeit der Umwelt ist Lebensbedingung.“

Für den Architekturentwurf heißt dies also, dass wir uns in der Zone der schwachen und mittelstarken Reize bewegen, und dass wir durch die Anordnung und Form der Räume mannigfaltige Reize entstehen lassen können.

 

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